Maria Montessori

*31. August 1870 in Chiaravalle Ancona; †6. Mai 1952 in Noordwijk aan Zee

Maria Montessori entwickelte ihre Pädagogik im Laufe ihres langen Berufslebens als Ärztin und Pädagogin. Sie kam aus einer gebildeten Familie und interessierte sich schon früh für Naturwissenschaften. Nach ihrem Abitur wollte Maria Medizin studieren, aber obwohl studieren für Frauen seit 1875 generell erlaubt war, bekam sie keine Zulassung zum Medizinstudium, da dies nur Männern zugänglich war. Deshalb studierte sie zuerst Ingenieurwesen und Mathematik und erst später Medizin. Beide Studiengänge haben Montessori im Hinblick auf die Entwicklung ihrer Pädagogik sehr geprägt. Sie bemühte sich stets um wissenschaftliches Arbeiten, besonders um exakte Beobachtung. 1896 promovierte sie an der Universität Rom als erste Frau Italiens.

Ihr besonderes Interesse während des Studiums galt den geistig behinderten Kindern. Diesen Kindern wollte sie helfen und stieß dabei auf die Arbeiten von Jean Itard und Edouard Seguin, die einen großen Einfluss auf die von ihr entwickelte Montessori-Methode hatten. Auch Montessori war davon überzeugt, dass geistig behinderte Kinder keine medizinische Hilfe bräuchten, sondern pädagogische.

1899 erhielt sie vom italienischen Erziehungsminister den Auftrag, vor Lehrerinnen in Rom eine Vortragsreihe über die Erziehung geistig behinderter Kinder zu halten. Aus diesem Kurs ging die Scuola magistrale ortofrenica (italienisch „Heilpädagogisches Institut“) hervor, die sie als Direktorin zwei Jahre leitete. Sie entwickelte in dieser Zeit spezielle didaktische Materialien zum Sprach- und Mathematikunterricht.

Die von ihr betreuten geistig behinderten Kinder leisteten schon nach zwei Jahren dasselbe wie gesunde Kinder auf einer Regelschule. Von nun an begann Montessori darüber nachzudenken, was an einer Regelschule so falsch sein könne, dass selbst geistig gesunde Kinder dort so wenig leisteten.

Maria Montessoris einziger Sohn Mario wurde im März 1898 geboren. Er entstand aus der Beziehung Montessoris mit Dr. Giuseppe Montesano. Maria gab ihren Sohn einer Pflegefamilie, da ein uneheliches Kind für sie untragbar gewesen wäre. Erst als er erwachsen war, offenbarte sie sich ihm als seine Mutter.

Am 6. Januar 1907 eröffnete Maria Montessori das erste Kinderhaus für geistig gesunde Kinder aus armen Verhältnissen. Diese Tagesstätte hieß „Casa di Bambini“. Ein Schlüsselerlebnis für Maria Montessori war die Beobachtung eines kleinen Mädchens, das vollkommen selbstversunken eine Übung mit Bauklötzen machte und sich durch nichts stören ließ. Dieses Phänomen nannte sie die „Polarisation der Aufmerksamkeit“.

Ab 1913 reiste Montessori in viele Länder, um dort Vorträge über die von ihr entwickelte Methode zu halten. Ihre Ideen fanden vor allem in Nordamerika und Europa Anklang und nach kurzer Zeit gab es auch dort Montessori Schulen.

Der 2. Weltkrieg und die Zeit des Faschismus in Deutschland und Italien brachten große Rückschläge für die Montessori-Bewegung. Bereits bestehende Schulen in Deutschland und Italien wurden geschlossen und ihre Schriften verbrannt.

1939 verließ Maria Montessori Europa und ging nach Indien. Auch dort entwickelte sie ihre Methode weiter, und entwarf besonders die „Kosmische Erziehung“, die ein wesentlicher Bestandteil der Montessori Pädagogik ist.

Erst 1949 kehrte Montessori endgültig nach Europa zurück und zwar in die Niederlande. Der 8. internationale Montessori-Kongress, der erste nach Kriegsende, fand 1949 in San Remo statt. Maria Montessori erhielt Ehrungen auf internationaler Ebene.

Hauptwerk

„Il metodo della pedagogia scientifica“, 1909

  • Materialien, die den natürlichen Forscherdrang der Kinder animieren
  • Stillezeiten und gemeinsamen Mahlzeiten sollten den Kindern soziale Kompetenz vermitteln
  • Beobachtende Rolle der Erzieherinnen, die den Lernprozess des Kindes nicht stören sollten